Politik und Religion

Saturn/Uranus im Konflikt mit Jupiter/Neptun

Der politische Islam mit seinen schrecklichen Exzessen hat die Frage wieder auf die Tagesordnung gebracht: In welchem Verhältnis sollten Politik und Religion zueinander stehen? Der Islam ist von seinem Ursprung her eine politische Religion. Konsequenterweise fordern Islamisten eine Identität von Religion und Politik, also die Gründung eines Kalifats und die Herrschaft der Scharia. Sie können sich dafür auf das Vorbild des Propheten Mohamed berufen, der zugleich religiöses und politisches Oberhaupt war. Die westlichen Demokratien haben hingegen seit der Französischen Revolution die weitgehende Trennung von Religion und Politik institutionalisiert. Der moderne säkulare Staat ist ein Rechtsstaat, dessen Grundlage die Menschenrechte sind und der die Freiheit der Religionsausübung garantiert. Hier treffen also zwei vollständig gegensätzliche Vorstellungen aufeinander.

Die Zuwanderung von Hunderttausenden muslimischen Glaubens wirft damit unvermeidlich eine grundsätzliche Frage auf: Ist es richtig, wenn Politik und Religion strikt voneinander getrennt werden (die westliche Sicht), oder ist es richtig, daß ein Staat eine religiöse Anbindung braucht, weil er sonst auf Dauer überhaupt nicht moralisch funktionieren kann (die muslimische Sicht).

Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Politik und Religion beanspruchen schließlich beide, das menschliche Zusammenleben zu regeln. Aus der Geschichte lassen sich ganz unterschiedliche Muster erkennen: Es gab Zeiten, in denen die Religion das entscheidende Fundament eines theokratischen Staates war, es gab Zeiten, in denen die Religion verboten und verfolgt wurde und es gibt Zeiten wie die unsrige, wo versucht wird, Toleranz zu üben und Staat und Religion möglichst  weitgehend voneinander zu trennen.

Machen wir uns die Unterschiede klar: Politik und Religion erwarten unterschiedliche Ergebnisse im Verhalten der Menschen. Das jeweilige politische System ist kein freundliches Angebot, das man je nach Lage der Dinge auch ablehnen kann. Der Staat ist von seinem Wesen her ein Gewaltapparat, der seinen Bürgern einerseits Schutz und Sicherheit bietet, andererseits dafür aber Loyalität und Gehorsam gegenüber seinen Gesetzen einfordert. Die religiöse Überzeugung hingegen ist moralisch idealistisch orientiert und in ihrem Kern unerzwingbar. Sie ist die persönlichste und inwendigste Tat, zu der der Mensch fähig ist, und gerade nach Ansicht der christlichen Religion ein Geschenk der Gnade Gottes.

Ich setze meine (sicher umstrittene) These an den Anfang: Es ist meine feste Überzeugung, daß die Menschen beides brauchen: eine staatliche Ordnung und eine transzendente Orientierung. Ohne einen funktionierenden Staat würde sich das menschliche Zusammenleben in einem chaotischen Durcheinander abspielen. Ohne Religion fehlte den Menschen der Sinnbezug und damit auch der transzendente Halt für eine moralische Ordnung. Diese beiden Ordnungsstrukturen sind grundverschieden und dürfen deshalb auf keinen Fall in gleicher Weise organisiert werden.

Im Grunde stehen sich hier zwei astrologische Energiepaare gegenüber: Der Staat als Gewaltapparat entspricht der Energieverbindung von Saturn mit Uranus (verstärkt durch Pluto und durchgesetzt mit Mars). Die Religion wird symbolisiert durch die Energieverbindung von Jupiter mit Neptun (verstärkt durch Pluto und unterstützt mit Venus), die auch als Sinnsuche bzw. Vertrauen beschrieben werden kann. Der Staat ist demnach ein uranisches Gebilde, die Religion hingegen ein neptunisches.

Als uranische Organisation bezeugt der Staat immer – egal in welcher Form er sich konkretisiert, ob als Monarchie, als Diktatur oder als Demokratie – die Eigenmächtigkeit der Menschen. Die Religion führt dagegen in eine ganz andere Welt. Eine religiöse Überzeugung entsteht entweder durch die persönliche Erfahrung der Transzendenz von besonders verinnerlichten Menschen (z.B. die Erleuchtung Buddhas) oder durch die geglaubte Selbstoffenbarung Gottes in der Geschichte der Menschen in Wort und Tat (z.B. im Judentum und Christentum). Warum aber sollte eine so verstandene Religion nicht mit staatlichen Strukturen zusammenpassen?

Die einfache Anwort auf diese Frage lautet: Weil die Menschen in ihrem Verhalten nicht in Ordnung sind und trotzdem mit diesen Menschen, weil sie soziale Wesen sind, eine stabile Ordnung errichtet werden muß. Eine solche "Ordnung in der Unordnung", also ein von Menschen organisierter Staat, muß immer hinter den Forderungen einer Religion zurückbleiben, zumal ja nicht nur die Bürger eines Staates moralisch zu kritisieren sind, sondern gleichermaßen auch die jeweiligen Monarchen, Führer oder Präsidenten. Gerade sie zeichnen sich oft durch Ungerechtigkeit, Verlogenheit, Herrschsucht, Größenwahn, Besitzgier und Grausamkeit aus.

Die Religion stellt einen idealistischen Anspruch, weil sie den Willen Gottes verkündet (oder die unbedingte Verpflichtung gegenüber einem transzendenten Bereich) und damit das Handeln der Menschen notwendigerweise in Frage stellt. Sie kann daher vom Prinzip her nicht mit einer von Menschen gemachten Ordnung total identifiziert werden. Wird das trotzdem versucht, dann zeigt sich regelmäßig, daß die Religion der jeweiligen Regierungsform als Rechtfertigung dienen muß und die Staatsbürger zu einer ganz bestimmten Religionsausübung und Moral vom Staat gezwungen werden. Das christliche Mittelalter, aber auch die frühe Moderne und ganz besonders das im Islam auf Mohamed zurückgehende Kalifat bestätigen diese Behauptung.

Im Grunde stehen sich hier Gewalt und Liebe gegenüber und diese beiden Ordnungsprinzipien des menschlichen Lebens können im öffentlichen Raum niemals vollkommen zur Deckung gebracht werden. Politik und Religion müssen deshalb institutionell voneinander getrennt werden, wenn nicht Religion und Politik großen Schaden nehmen sollen.

In der Konsequenz bedeutet das auch, daß in der Politik anders verfahren werden muß als in der Religion. Härte und Konsequenz in einer staatlichen Organisation stehen im Gegensatz zu Liebe, Verständnis und Vergebung in einer Glaubensgemeinschaft. Eine Gesellschaft läßt sich nicht mit der Bergpredigt regieren. Für fromme Mitmenschen, für die Nächstenliebe der zentrale moralische Orientierungspunkt ist, wirkt diese Behauptung vielleicht anstößig. Es ist aber sehr wichtig, daß diese Menschen begreifen, daß "gut gemeint" im öffentlichen Raum - wie Kurt Tucholski einmal bemerkte - oft das Gegenteil von "gut" ist. Die aktuelle Flüchtlingskrise bietet ein gutes Beispiel, daß ein zu viel des Guten am Ende zu Verhältnissen im Land führen kann, die für alle - auch für die Flüchtlinge - unerträglich werden.

Der Grundsatz der Trennung von Staat und Religion ist in der westlichen Welt seit der Aufklärung und der Französischen Revolution eigentlich mehr oder weniger anerkannt. Damit ist allerdings noch nicht entschieden, ob sich die Politik nicht trotzdem an religiösen Überzeugungen orientieren muß. Die entscheidende Frage, die diskutiert werden sollte, lautet: Braucht nicht gerade die pragmatische Politik die Offenheit für ein religiöses Ideal, wenn sie nicht durch egoistische Interessen verdorben werden soll? 

Diese Frage wird wohl heute von den meisten Menschen zumindest im europäischen Kulturkreis verneint. Hier ist man der Ansicht, daß schon die Bindung an die Vernunft und die in den modernen Verfassungen niedergelegten Menschenrechte genügen würde, um ausreichend eine moralische Ordnung zu garantieren. Wir leben schließlich seit der Aufklärung in einem Zeitalter der Säkularisation, das sich von religiöser Bevormundung emanzipiert hat. Im übrigen haben wir mit der direkten Verbindung von Politik und Religion bis in die Hitlerzeit die denkbar schlechtesten Erfahrungen gemacht. Den Religionen im Land sollte zwar nach Ansicht unserer Zeitgenossen Religionsfreiheit gewährt werden, aber es sei wohl nicht notwendig, so denkt man, daß sich die Staatsbürger oder auch die Staatenlenker irgendeiner Religion besonders verpflichtet fühlen. Sie könnten alle genauso gut Agnostiker oder Atheisten sein. Dem Gemeinwohl würde das nicht schaden.

Es ist wahrscheinlich richtig, daß der Gebrauch der Vernunft und die Beachtung der Menschenrechte genügen würden, um ein Staatswesen ordentlich führen zu können. Die oben gestellte Frage muß deshalb dahingehend präzisiert werden, ob Vernunft und Menschenrechte auf Dauer Geltung behalten, wenn sich die Staatsbürger und erst recht die Regierungen um Religion nicht mehr kümmern. Ich glaube das nicht, und ich habe dafür nicht nur die praktische Lebenserfahrung, sondern auch die astrologische Wahrheit auf meiner Seite. Ich bin überzeugt, daß eine religiöse Bindung (Jupiter/Neptun/Pluto) die notwendige Voraussetzung für ein verläßliches zwischenmenschliches Verhalten (Saturn/Chiron/Venus) ist. Die Verbindung von Neptun mit Pluto konstituiert astrologisch gesehen die tiefste Ebene der Persönlichkeit. Sie ist das Fundament und insofern bestimmend für die weiter oberhalb wirkenden astrologischen Energien. Neptun kommt vor Uranus. Daraus folgt, daß ohne Religion bei den meisten Menschen auch das Gewissen (Mond/Saturn) halt- und orientierungslos wird, und dann nützen auch die von außen in Gesetzen festgeschriebenen Normen (Saturn/Uranus) nicht mehr viel.

Der Staat muß sehen, wie er mit dem Verhalten und dem moralischen Niveau seiner Bürger zurechtkommt. Er hat dabei immer ganz pragmatisch im Auge zu behalten, daß die Gesellschaft nicht auseinanderbricht und der gesellschaftliche Frieden erhalten bleibt. Seinem Einfluß sind aber enge Grenzen gezogen. Durch Gesetze, Polizei und Justiz läßt sich von außen eben nur das Notwendigste erzwingen. Wenn das Gewissen von innen nicht mitarbeitet, wird eine Gesellschaft sehr schnell verwildern und das friedliche Zusammenleben der Menschen ist gefährdet.

Noch problematischer wirkt sich eine fehlende religiöse Überzeugung bei den Machthabern aus. Sie, die weniger als ihre Staatsbürger von außen kontrolliert werden können und die viele Privilegien besitzen, sind viel mehr in der Gefahr, bei ihrer Machtausübung rücksichtslos und egoistisch zu verfahren. Es ist für die meisten Menschen immer sehr schwierig, sich moralisch zu verhalten, wenn sie niemanden mehr haben, der über ihnen steht und sie kontrollieren kann.

Um nicht mißverstanden zu werden, betone ich hier noch einmal, daß eine religiöse Überzeugung für mich eine zutiefst inwendige Haltung meint. Ein einfacher Gehorsamsglaube reicht für die notwendige Distanz zur Macht nicht aus. Deswegen haben die christlichen Kirchen in Deutschland auch nicht den erforderlichen Widerstand gegen den Faschismus leisten können. Es geht um Religion aus persönlicher Erfahrung. Ein solcher Glaube hat mit dem Geschwätz, der Propaganda und dem folkloristischen Gehabe sogenannter christlicher Parteien nicht viel gemein.

Die christlichen Parteien in Deutschland haben sich leider von der Mitmenschlichkeit entfremdet und sich neoliberal umorientiert. Das Wertesystem des Neoliberalismus aber ist das genaue Gegenteil zum Wertesystem jeder echten Religion.

Kommen wir zurück zum Problem der Säkularisation. Die Philosophie der Aufklärung hat den Menschen ein Bewußtsein vermittelt, daß die Beachtung der Menschenrechte entscheidend für die Regelung eines Gemeinwesens ist und daß vorhandene Konflikte mit der Vernunft gelöst werden sollen. Leider wurde durch die Aufklärung gleichzeitig ein fundamentaler Konflikt mit der traditionellen Religion geschaffen: Der christliche Glaube und die kritische Vernunft standen sich feindlich gegenüber. Sie begriffen nicht, daß sie aufeinander angewiesen waren. Die Vernunft versuchte mit ihrer Rationalität die Religion aus den Angeln zu heben und die Religion verschanzte sich defensiv in der Ablehnung der Moderne.

Vielleicht sind wir inzwischen an die Grenzen dieser einseitigen Entwicklung gekommen. Es sieht so aus, als würden die Emanzipation der Vernunft und die Betonung der Menschenrechte, also die zentralen Werte der Aufklärung, langsam beginnen, sich in ihr Gegenteil zu verwandeln. Wenn islamische Fundamentalisten oder auch Putins Rußland dem Westen vorwerfen, daß die Verhältnisse hier bei uns inzwischen dekadent geworden sind, dann ist ein solcher Vorwurf leider nicht ganz unberechtigt. Egoismus, Korruption, Habgier, Steuerbetrug, Vetternwirtschaft und Inkompetenz finden wir sehr häufig bei den Mächtigen, und auf der anderen Seite Drogen, Gewalt, Sucht und Kriminalität bei den Ohnmächtigen. Die Gesellschaften des Westens sind extrem gespalten, unermeßlicher Reichtum und drückende Armut stehen sich gegenüber. Von wirklicher Solidarität bzw. von einem Sozialstaat kann kaum noch die Rede sein, vielmehr herrscht ein Kampf aller gegen alle. Es gibt eine riesige Jugendarbeitslosigkeit in Süd-Europa, für die keine Lösung in Sicht ist. Auch die Klimafrage ist nach wie vor ungelöst und nicht zuletzt erleben wir, daß durch die Ukraine-Krise und den Konflikt mit Russland auch der Frieden in Europa unsicherer geworden ist.

Als Fazit muß man meiner Ansicht nach feststellen: Der Westen hat seine eigenen Ideale, die Ideale der Aufklärung, aber auch die Ideale eines "christlichen Abendlandes" verraten. Ein vernünftiger Diskurs findet an internationalen Interessen vor allem der USA und im Inneren an der Macht der Lobbyverbände seine Grenze, und die Menschenrechte sind nur noch ein Lippenbekenntnis.

Ich bin der festen Überzeugung, daß die Verankerung von Vernunft und Menschenrechten in einer religiösen Überzeugung einfach notwendig ist, um diesen Werten Bestand zu verleihen. Ein moralisches Verhalten läßt sich eben nicht einfach mit demokratischen Spielregeln organisieren, es ist vielmehr allen politisch-organisatorischen Strukturen vorgelagert. Die Religion erschöpft sich zwar nicht in der Moral, aber für den Staat ist die moralische Seite einer Religion absolut lebensnotwendig.

Ich bin andererseits aber auch der Überzeugung, daß die Religion die Konfrontation mit den Werten der Aufklärung braucht, um nicht in Aberglauben und Unterdrückung zu entarten. Insofern ist sowohl die fundamentalistische Lösung des Konflikts zwischen Politik und Religion falsch, die eine Identität der beiden Bereiche einfordert (z.B. das von Mohamed  begründete Kalifat), als auch die liberale Lösung, die Religion zur reinen Privatsache erklärt (z.B. der rein säkulare Staat in westlichen Demokratien).

vgl. das Schaubild Kultur und Unkultur

Eine staatliche Ordnung wird auf Dauer nur Bestand haben, wenn sie mit der Religion (im Sinne von einer unbedingten transzendenten Verantwortung) zusammengeht. Dabei ist aber das schwierige Problem zu lösen, wie eine institutionelle Trennung von Politik und Religion bei gleichzeitiger moralischer Verantwortung der Politik vor der Religion organisiert werden kann. Hier sind meiner Meinung nach zunächt die Prinzipien der Aufklärung zu beachten: Die Religionsfreiheit und die Gleichberechtigung der Religionen sollte in allen modernen Verfassungen verankert werden. Dazu gehört auch die Gleichberechtigung von atheistischen Überzeugungen. Jede Ausübung einer religiösen oder atheistischen Überzeugung muß von Toleranz gegenüber Andersgläubigen geprägt sein. Der Staat hat die religiösen, aber auch die atheistischen Betätigungen seiner Bürger innerhalb seiner Möglichkeiten zu garantieren und zu fördern, und er darf keine Gruppierung privilegieren. Er sollte sich nur dann in weltanschauliche Belange einmischen, wenn gegen die Menschenrechte verstoßen und das friedliche Zusammenleben seiner Bürger gestört wird. Und auf gar keinen Fall darf ein politisches Oberhaupt zugleich ein religiöses Oberhaupt sein. Soweit die institutionelle Trennung von Politik und Religion.

Aber trotzdem sollte es (menschenfreundliche, nicht gewaltbereite) religiöse Überzeugungen als letzten moralischen Bezugspunkt in einem Staat geben. Das wäre nicht nur wünschenswert, sondern das ist wahrscheinlich sogar notwendig, um für eine größere Stabilität im sozialen Verhalten zu sorgen. Ich glaube nicht, daß atheistische Überzeugungen, sei es die des Marxismus oder sei es die des radikalen Humanismus der Existentialisten (vom Liberalismus ganz zu schweigen), auf Dauer eine solche Stabilität leisten können.

Es geht jedoch nicht nur um die Stabilität im sozial-konformen Verhalten. Die Loyalität gegenüber dem Staat als Ordnungsfaktor ist die eine Seite des Zusammenwirkens zwischen Religion und Politik. Der Einfluß der Religionen sollte aber viel weiter gehen und sich dahingehend auswirken, daß die Politik eine Ordnung anstrebt, die menschenfreundlich und solidarisch organisiert ist. Der moderne Sozialstaat (Saturn/Neptun) ist die eigentliche Frucht einer konstruktiven Zusammenarbeit von Religion und Politik. Gerade dieser in Europa geschaffene Sozialstaat droht jetzt unter dem Ansturm der uranischen Energie (Neoliberalismus) in einer globalisierten Welt Schritt für Schritt beseitigt zu werden und dadurch auch den Ordnungsstaat (Saturn/Uranus) zu zerstören.  

vgl. das Schaubild Zusammenwirken von Politik und Religion

Die Bedeutung religiöser Grundsätze für einen funktionierenden Sozialstaat kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Religiöse Überzeugungen können allerdings nicht erzwungen werden, die Religionen können für sie nur mit ihrem Beispiel werben. Dafür ist es notwendig, daß die Religionen den Begriff "Sünde" bzw. "Schuld" nicht nur individuell sondern vor allem strukturell verstehen. Die eigentlichen Mißstände stecken im System (heute im neoliberalen Kapitalismus mit seiner Wettbewerbsideologie) und beeinflussen dann die Einzelnen, sich durch Anpassung ebenfalls schuldig zu machen. 

Aber vielleicht könnte gerade der Angriff des politischen Islam dazu führen, daß die Notwendigkeit einer inneren (nicht äußeren) Verbindung von Religion und Politik wieder mehr ins Bewußtsein dringt. Ganz besonders müßten sich die Staatenlenker, die als Realpolitiker dem politischen Pragmatismus verpflichtet sind, von der Religion ins Gewissen reden lassen. Sie sind in besonderer Weise in Gefahr, Vernunft und Menschenrechte in den Wind zu schlagen, wenn sie ihren Machtinteressen widersprechen.

So zeigt sich auch bei diesem Problem die astrologische Wahrheit: Neptun kommt vor Uranus. Wie im privaten Leben ist auch in der Politik Neptun das Fundament für ein gesundes Leben. Ohne (jupiter-neptunische) religiöse Grundlage (die aber nicht einfach erzwungen werden kann, sondern als vertrauensvoll geglaubte Haltung voraus existieren sollte) bleiben alle (saturn-uranischen) staatlichen Versuche, eine menschliche Ordnung zu befestigen, immer in der Gefahr, durch Ungerechtigkeit, Unterdrückung und Willkür zu scheitern.

Rolf Freitag, Schule für Psychologische Astrologie in Heiligenhaus, 2014

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