Das Horoskop von Emmanuel Macron

Ein Star betritt die Bühne der Politik

geb. am 21.12.1977 um 10h40 in Amiens

Wenn die Verhältnisse unerträglich widersprüchlich geworden sind, wenn die Zustimmung zu den etablierten Parteien und Institutionen verloren gegangen ist, wenn selbst die Repräsentanten erklären, daß der Staat in einem schlechten Zustand ist, kurz: wenn sich eine Ideologie vollständig diskreditiert hat, dann bleibt für die eigentlich Mächtigen in der Gesellschaft als letztes Aufgebot nur der Rückgriff auf einen Star, um die Bevölkerung ruhig zu halten. In Frankreich ist er gefunden worden. Er heißt Emmanuel Macron.

Im Horoskop von Macron fällt sofort die Opposition von Lilith (Mond, Uranus, Pluto) zu Priapus (Mond Neptun, Pluto) neben der Sonne auf, die sehr ungewöhnlich ist, weil Lilith und Priapus sich normalerweise nicht direkt gegenüber stehen. Priapus neben der Sonne in Opposition zu Lilith gibt dem HE eine ungewöhnliche Begabung zur Selbstdarstellung bzw. zur Bühnenpräsenz. Diese Konstellation wäre - bei entsprechender Übertreibung des uranischen Prinzips - auch die klassische Konstellation für Größenwahn, zumal sich die Sonne noch im Schütze-Zeichen und in Opposition zu Jupiter befindet. Deshalb ist es kein Zufall, wenn kritische Stimmen in Frankreich bereits von einem neuen Sonnenkönig und von "Bonapartismus" sprechen.

Diese fundamentale Symbolik wird unterstützt durch die Drachenfigur zwischen Sonne, Saturn, Chiron (Jungfrau) und Jupiter. Eine Drachenfigur vermittelt dem HE immer ein Gefühl selbstverständlicher Sicherheit. Zu der Begeisterungsfähigkeit (Jupiter Konjunktion Lilith) und zum visionären Schwung (Priapus neben der Schütze-Sonne) fügt diese Figur Konsequenz und Vernunft hinzu. Macron wird seine Vorstellungen vom Umbau der Gesellschaft in die Tat (Erd-Energien) umsetzen wollen (Sonne).

Die Opposition zwischen dem Mond im Stier und Uranus mitten im Skorpion symbolisiert außerdem einen beharrlichen (Stier) und fanatischen (Uranus im Skorpion) Drang (Mond Opposition Uranus). Diese geradezu verrückte Beharrlichkeit hat Marcron schon einmal unter Beweis gestellt, als er mit 16 Jahren ernsthaft versprach, seine Lehrerin, die damals verheiratet mit drei Kindern und 40 Jahre alt war, heiraten zu wollen und das nach 12 Jahren in die Tat umgesetzt hat. Die Beziehung zwischen diesen beiden ungewöhnlichen Menschen soll uns weiter unten noch beschäftigen.

Ungewöhnlich ist nicht nur die Opposition zwischen Lilith und Priapus, sondern ganz ähnlich auch das Halbsextil zwischen Neptun (Spitze 11) und Uranus, jeweils verstärkt durch die Verbindung zur skorpionischen Energie, denn Uranus steht mitten im Skorpion und Pluto bildet ein Sextil zu Neptun. Grundsätzlich steht hier das Leben auf des Messers Schneide und kann zwischen Genialität und Verrücktheit hin und her schwanken. Oft dienen solche Menschen in genialer Weise irgendwelchen verrückten Zielen. In Anlehnung an meine eingangs angesprochene Vermutung könnte Macron dem verrückten neoliberalen System (oder auch seiner verrückten Selbsteinschätzung) in genialer Weise dienen. Das wird die Zukunft zeigen.

Macron stammt aus einem gut situierten Elternhaus. Beide Eltern waren Ärzte, der Vater in einer Professoren-Stellung. Er selbst hat eine excellente Schulbildung genossen, zunächst auf der Jesuitenschule Le Providence in Amiens, darauf an dem Pariser Elitegymnasium Lycée Henri IV, das er mit dem Baccalauréat abschloß. "Die Aufnahmeprüfung für die Elitehochschule École normale supérieure hat er zweimal nicht bestanden, er studierte daraufhin zunächst Philosophie an der Universität Paris-Nanterre und Politikwissenschaften am Sciences-Po. Dort schrieb er seine Magisterarbeit über Machiavelli und seine Diplomarbeit über Hegel. Während dieser Zeit arbeitete er in Nanterre zudem von 1999 bis 2001 als Assistent des dort lehrenden Philosophen Paul Ricœur. Auch für die Aufnahmeprüfung zur Elite-Verwaltungshochschule École nationale d’administration in Straßburg (ENA) benötigte er einen zweiten Anlauf, wurde dann aber Drittbester seines Jahrgangs, der Abschlussklasse "Léopold Senghor" (französisch promotion Senghor). An der ENA engagierte er sich wie schon in Amiens beim Theater. Aus seinem Jahrgang rekrutierte er zahlreiche Freunde, die seine Präsidentenkampagne unterstützten. Praktika führten ihn in die Präfektur des Départements Oise in Nordfrankreich sowie ein halbes Jahr an die französische Botschaft in Abuja in Nigeria."
(zitiert nach Wikipedia)

Der Werdegang Macrons spricht für einen erheblichen Ehrgeiz, der sich z.B. in der Stellung seines Aszendenten zwischen Steinbock und Wassermann zeigt, aber auch in der Spannungsfigur zwischen Sonne, Mars und Lilith. Was Macron will (Sonne), das setzt er in die Tat um (Mars, Aszendent). An Mut (Mars Halbquadrat Lilith) fehlt es ihm dabei nicht. Der Saturn hat zusätzlich einen 75°-Aspekt (Bilin) zu Uranus im Skorpion, wieder eine Stellung für Ehrgeiz, der damit sogar einen fanatischen Zug bekommt, und sein Jupiter (neben Lilith) bildet ein Anderthalbquadrat zu Uranus im Skorpion, was einen ebenso fanatischen Unternehmungsgeist symbolisiert. Macron wird von Kritikern nachgesagt, daß er ein Kontrollfreak sei. Die Neigung hierzu entsteht durch die Verbindung von Saturn, Uranus und Pluto. Daß er kurz entschlossen aus der sozialistischen Regierung unter Hollande ausstieg und seine eigene Bewegung "En marche" gründete und diese sogar nach nur einem Jahr zu einem fulminanten Erfolg führen konnte, wäre ohne diese Energien nicht denkbar gewesen. Der Name "En marche" bedeutet übrigens "Vorwärts", eine geradezu klassische Manifestation des Schütze-Prinzips.

Macron ist bei alledem ein hochsensibler Mensch. Ich bezeichne Leute als hochsensible Persönlichkeiten (HSP), wenn bei ihnen im Horoskop Sonne, Mond, Mars, Saturn und Pluto mit dem Fische-Prinzip verbunden sind. Die Sonne Macrons steht neben Priapus, Priapus hat ein Halbsextil zum Aszendenten, der Mond bildet einen Quinkunx- und Pluto einen Sextil-Aspekt zu Neptun und nicht zuletzt ist Priapus durch ein Halbsextil mit dem MC (Saturn-Achse) und durch ein Trigon mit Saturn verbunden. Gerade diese letztere Stellung gibt auch einen Hinweis auf eine untergründige Veranlagung zur Melancholie bis hin zur Depression, die Macron in seinem jugendlichen Elan natürlich euphorisch überspielen kann, die ihn aber im Laufe seines Lebens mit Sicherheit ereilen wird, nämlich dann, wenn sich zeigt, daß seine Schütze-Unternehmungen saturnisch ausgebremst werden.

Für seine Sensibilität spricht übrigens, daß er in seiner Jungend ein hervorragender Klavierspieler war und am Konservatorium in Amiens sogar einen dritten Preis erringen konnte. Auch sein Philosophiestudium beweist die Veranlagung zur Sinnsuche (Neptun in Schütze), wobei die Stellung von Ceres (Stier) neben Neptun nicht nur eine Begabung zum Träumen, sondern auch eine soziale Einstellung nahelegt.

Das Problem in Macrons Charakterstruktur ist eben seine grundlegende Ambivalenz zwischen Neptun und Uranus. Überall, wo er neptunisch weich veranlagt ist, besitzt er auch eine uranische Härte. Er hat sich nicht nur mit Philosophie beschäftigt und Theater gespielt, sondern auch Politikwissenschaften (eine uranische Disziplin) studiert und über Machiavelli seine Magisterarbeit geschrieben. Er hat im Pariser Insitut Montaigne, einer wirtschaftsliberalen Denkfabrik, gearbeitet und wurde mit 31 Jahren Investmentbanker bei Rothschild & Cie. Nachdem er 2012 die Übernahme der Säuglingsnahrungssparte des US-Pharmakonzerns Pfizer durch den Nahrungsmittelkonzern Nestlé für 11.9 Milliarden US-Dollar begleitet hatte, war er mit 35 Jahren Millionär.

Astrologisch zeigt sich dieser Hang zu Wirtschaft und Reichtum in der Figur Mond im Stier mit Aspekten zu Uranus im Skorpion und Mars im Löwen. Macron lebt eben auch gern auf großem Fuß. Die Position seiner Ceres (Stier-Energie) ist leider problematisch und doppeldeutig: Sie befindet sich an der Spitze von Haus 11 (Wassermann) mit Quinkunx zum Mond im Stier und gleichzeitig neben Neptun. Mit dieser Energie kann er ein großer Träumer und Visionär sein, aber auch nach Reichtum (Ceres Spitze 11) streben und seine Frau mit ihrer Familie (Mond) gut versorgen (Ceres mit Neptun).

Macron ist mit einer 24 Jahre älteren Frau verheiratet, was sicher ungewöhnlich ist. Aber sein Frauen-Suchbild ist auch alles andere als normal. Im männlichen Horoskop sind es die Energien von Venus, Mond und Neptun, die Aufschluß darüber geben, welcher Typ von Frau dem HE gefällt. Daß die neptunische Energie bei Macron grundsätzlich mit der uranischen verbunden ist, habe ich schon erklärt. Aber auch die Venus im Schützen steht ambivalent in der Halbsumme zwischen Priapus und Neptun und gleichzeitig im Haus 11. Der Mond im Stier schließlich bildet eine Jod-Figur zu Neptun und Pluto in der Waage, was eine intensive Hilfsbereitschaft bedeutet, die er von der erwählten Frau erwartet, hat aber auch eine Opposition zu Uranus im Skorpion. Unter Berücksichtigung dieser Konstellationen wird die Wahl Macrons verständlicher.

Noch deutlicher wird die schicksalhafte Verstrickung, wenn wir uns das Horoskop von Brigitte Macron ansehen und die Synastrie der beiden Horoskope bilden:

Brigitte Macron

geb. am 13.4.1953 um 15h00 in Amiens



Macrons Ehefrau lebte in Amiens in einer abgesicherten Familiensituation, war verheiratet mit einem Banker und die Mutter von drei Kindern. Die gut situierte Position, in der sie sich auch schon als Kind eines Schokoladenfabrikanten befunden haben muß, spiegelt sich wieder in dem Talent-Dreieck von Sonne, Venus und Mond zu Ceres und Pluto, wobei die Konstellation von Ceres zu Pluto im Löwen und Haus 12 einen Hinweis gibt, daß sie gewohnt (Ceres) war, sich großzügig (Löwe) versorgen (Ceres ist über Pluto mit Haus 12 verbunden) zu lassen.

Die andere Seite von Brigitte Macron ist ihre ungewöhnliche Intelligenz (Lilith am Jungfrau-AC mit Aspekten zu Neptun und Chiron im Steinbock), die sie zunächst als Lehrerin für Französisch und Latein an der Jesuitenschule in Amiens lebte, wo sie Emmanuel Macron als Schüler kennenlernte. Die Begeisterung (Sonne Halbsextil zu Jupiter und Anderthalbquadrat zu Lilith) für das Theaterspiel (Sonne, Venus und Mond in Opposition zu Neptun) brachte Lehrerin und Schüler zusammen.

Es kann sein, daß unbewußt in Brigitte Macron, die damals Trogneux hieß, der Wunsch lebte, ihre Intelligenz einem großen Projekt (Sonne Halbsextil zu Jupiter am MC) zu widmen, dem sie sich ganz und gar unterordnen wollte.

Dieses Bedürfnis, die Zweigleisigkeit von Familie und Beruf zu überwinden und sich einem Mann mit beiden Fähigkeiten zur Verfügung zu stellen, ihn gewissermaßen zu bemuttern und zu coachen, wird sehr deutlich in der Konstellation Sonne, Venus, Mond mit Aspekten zu Jupiter, Saturn/Neptun und zu Lilith. Die Verbindung von Saturn, Neptun und Lilith kann auch als Unterwerfung gelebt werden, was in diesem konkreten Fall nur bedeuten kann, dem Partner mit der eigenen Intelligenz helfend zur Seite zu stehen. Die Erfüllung dieser großen Sehnsucht war vermutlich die einzige Möglichkeit, ihre ebenfalls große Verantwortung für die Familie (Sonne Konjunktion Mond mit Aspekten zu Ceres, Pluto und Saturn) zu relativieren und schließlich aufzulösen (Saturn Konjunktion Neptun). Es hat 12 Jahre gedauert.

Ganz verständlich wird allerdings das Verhalten von Brigitte Macron erst, wenn wir uns die Synastrie mit Emmanuel Macron (schwarze Symbole) ansehen:


Auffällig ist sofort das große Feuer-Trigon zwischen der Venus von Emmanuel Macron im Schützen, ihrer Sonne-, Venus-, Mond-Konjunktion im Widder und ihrem Pluto im Löwen. Das ist eine stabile Liebesbeziehung (Venus Aspekt Pluto), die aber durch die Energien von Brigitte Macron mit Tatkraft (Widder) aufgeladen wird. Das ist wohl auch notwendig, denn Emmanuel Macron hat den absteigenden Mondknoten, der immer den Ort kennzeichnet, wo man sich emotional nicht ganz zu Hause fühlt, im Widder-Zeichen. Er ist eher der Beliebtheitsmensch (aufsteigender Mondknoten neben Pluto in Waage), der die Menschen jupiterhaft mitreißen kann. Die Widder-Energie scheint sein schwacher Punkt zu sein. In der Synastrie wird nun sein rückläufiger Mars im Löwen durch ihre Mondknotenachse in Wassermann-Löwe gestützt. Und es wird wohl so gewesen sein, daß er erst durch die Begegnung mit seiner heutigen Frau die Kraft gespürt hat, seine hochfliegenden Pläne in die Tat umzusetzen.

Interessanterweise ist die Spannungsfigur, die ihre Intelligenz beschreibt, über Chiron und Neptun direkt mit seiner Venus im Schützen verbunden. Das ist ein eindeutiger Hinweis, daß sie ihn coachen kann. Im übertragenen Sinn ist sie wohl immer noch seine Lehrerin. Aber nicht nur ihre Intelligenz, auch ihre große Intuition (Merkur in den Fischen Konjunktion Priapus) stellt sie seinem Mars im Löwen (Anderthalbquadrat zu Merkur) und seinem Saturn (Quinkunx zu Priapus) zur Verfügung. Mit dieser Energie beeinflußt sie zusätzlich seine Sonne/Merkur-Jupiter-Opposition (Quadrat), die mit der schwierigen Lilith-Priapus-Achse verbunden ist. Der Einfluß kann dabei inspirierend sein und sein Selbstvertrauen stärken (Priapus Quadrat Jupiter) oder auch seine jupiterhaft euphorische Veranlagung zu bremsen (Quadrat) versuchen.

Tatkraft, Intelligenz und Intuition bringt also vor allem sie in die Beziehung ein. Ein ehrgeiziges Machtbewußtsein verbunden mit visionärem Schwung kommt eher von seinem Horoskop. Die Konstellationen sind aber so, daß an mehreren Stellen die saturnische Energie mit der uranischen verbunden steht. Ihr Uranus bildet ein Anderthalbquadrat zu seinem MC und zu seinem Saturn, und seine Lilith hat ein Halbsextil zu ihrem MC. Diese drei Paar-Konstellationen verstärken den Ehrgeiz und das Machtbewußtsein, daß Macron ohnehin zu eigen ist. Sein ebenfalls oft kritisierter Kontrollwahn könnte hingegen vielleicht durch das Trigon zwischen den beiden Uranus-Stellungen etwas entschärft werden.

Diese Beziehung ist demnach keine Kuschel-Beziehung, sondern von vornherein darauf focussiert, große Ziele zu erreichen. Macron hat das Zeug, ein bedeutender Präsident zu werden, aber er braucht dafür die Energien seiner Frau und das scheint wohl der Sinn dieser ungewöhnlichen Verbindung zu sein.

Hier ist nun eine wichtige Einschränkung zu machen, die uns zurück an den Beginn der Beziehung zwischen Emmanuel und Brigitte Macron führt. Es ist bekannt, daß sich beide beim Theaterspiel näher gekommen sind. Ein Hang zur Selbstinszenierung ist demnach beiden Personen zu eigen. Und da der Anfang einer Beziehung nach astrologischer Überzeugung (wie ein Geburtshoroskop) über den späteren Verlauf entscheidet, besteht die Gefahr, daß dieses Paar jetzt vor allem die ganz große Bühne sucht. So kommt alles zunächst darauf an, daß die (durchaus berechtigte) Selbstdarstellung im Dienst der Präsidentschaft und der damit gestellten Aufgaben verbleibt und kein Eigenleben bekommt.

Es ist aber eine weitere Überlegung sehr wichtig: Gerade für Menschen, die eine direkte Verbindung der uranischen mit der neptunischen Energie im Horoskop haben, kommt alles darauf an, sich neptunisch-menschenfreundliche Ziele zu setzen, die dann mit uranisch-origineller Methode verwirklicht werden. Es wäre ganz falsch, es umgekehrt zu versuchen, also uranisch-materialistische Ziele mit neptunisch-rafinierten Methoden zu verfolgen.

Das gilt auch für die Politik. Macron ist jetzt Staatspräsident von Frankreich in einer politischen Welt, die von uranischer Energie umstellt ist. Wird er die Kraft aufbringen, in diesen Neoliberalismus eine Schneise der Vernunft und Menschlichkeit zu schlagen? Es kommt alles auf den Bezugsrahmen an, in dem sich seine Politik entwickelt und der kann uranisch oder neptunisch gewählt werden. Hier könnte gerade seiner Frau eine wichtige Aufgabe zufallen, weil sie als Frau und auch vom Alter her der neptunischen Energie näher steht.

vgl. das Schaubild Neptun und Uranus in der Politik

Welche Wahl er trifft, dürfte sich nicht zuletzt an seinen Arbeitsmarktreformen entscheiden. Wenn er versucht, so etwas wie eine Agenda 2010 nach Schröderschem Vorbild für Frankreich zu installieren, um Deutschland im Wettkampf der Nationen im Export Paroli zu bieten, wäre nichts gewonnen. Er würde mit seinem jupiterhaften Feuer nur ganz Frankreich in Brand stecken. Andererseits müßte er sich mit Deutschland anlegen, was nicht einfach ist, weil Deutschland wirtschaftlich zur Zeit am längeren Hebel sitzt und hier die "schwäbischen Hausfrauen" um Wolfgang Schäuble den Ton angeben. Sein einziger Trumpf ist vielleicht, daß auch die Deutschen wissen, daß Macron politisch Erfolg haben muß, weil sonst Le Pen die nächste Wahl gewinnt und Europa zerstören könnte. Macron ist also damit so etwas wie "das letzte Aufgebot" der neoliberalen Politik und vielleicht werden wir erleben, daß er sich am Ende gegen die wendet, die ihm zur Macht verholfen haben.

Sein letzter Auftritt vor Elitestudenten mit einer Grundsatzrede zu einer "Neugründung Europas", die von einigen Medien als "Weltregierungserklärung" euphorisch gefeiert wurde, läßt allerdings vermuten, daß Macron sein Heil in der Flucht nach vorn sucht. Es wäre der typische Weg Jupiter-betonter Menschen, die sich der Mühsal konkreter Problemlösungen (Jungfrau/Steinbock) entziehen wollen. Europa krankt zur Zeit an mangelnder Solidarität, nicht an mangelnder Ausdehnung. Die herrschende Ideologie des Neoliberalismus, die die uranische Energie stark überbetont und die neptunische Energie fast vollständig vernachlässigt, verbindet sich allerdings lieber mit jupiterhaften Visionen als mit jungfrauhafter Selbstkritik. Außerdem würde eine weitere Vergrößerung europäischer Institutionen den herrschenden Eliten neuen Spielraum verschaffen, die letzten Reste von sozialen Sicherheiten, die es in einzelnen Nationen wie z.B. auch in Frankreich noch gibt, endgültig abzuschaffen.

Frankreichs neuer Politik-Star gleicht einem Mann, der in einem Haus lebt, das überschuldet ist und von Streitigkeiten zwischen den dort lebenden Familienmitglieder zerrüttet wird, und dann vorschlägt: "Laßt uns ein neues und größeres Haus bauen. Vielleicht folgen uns dann unsere Probleme nicht." Vielleicht ist Macron doch nicht mehr als ein begnadeter Spinner.

Rolf Freitag, Schule für Psychologische Astrologie in Heiligenhaus, 2017

Vervielfältigungen mit Angabe des Verfassers gestattet

vgl. hierzu die Kritik von Jens Berger an der "Weltregierungserklärung" Macrons"

 

 

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