Die astrologische Zeitqualität

Die augenblickliche Zeitqualität wird in erster Linie durch die Stellung von Neptun im Wassermann und Uranus in den Fischen bestimmt. Wir haben es also bei dieser Rezeption mit einer verdeckten Uranus-Neptun-Konjunktion zu tun, die ihren energetischen Höhepunkt erreichen wird, wenn sich zwischen Uranus und Neptun zusätzlich ein Halbsextil gebildet hat (2009).

Es müssen demnach in den folgenden Jahren die größten Gegensätze, die das Leben bereithält, in eine Balance gebracht werden. Dabei drängt Wassermann (die Energie der grundlegenden Erregung und Eigenwilligkeit) aggressiv nach außen hin zu greifbaren Aktionen, Fische (die Energie der grundlegenden Anpassung und Rücksicht) betonen dagegen die geistig-seelischen Werte der Einfühlung und Hilfsbereitschaft und motivieren zu Friedfertigkeit und Gelassenheit. Das männliche und das weibliche Prinzip des Tierkreises liegen hier miteinander im Streit, und dieser Streit wird durch die Stellung von Neptun in Wassermann und Uranus in den Fischen aktuell spürbar.

Für die Menschheit kann diese Situation sehr fruchtbar sein und sie zu ungewöhnlichen und genialen Leistungen herausfordern (z.B. Visionen für eine gerechtere Welt, Neuentdeckung der Solidarität, soziale Erfindungen, Motivation für Gewaltlosigkeit, Bewußtsein für die Probleme der 3. Welt), wenn es gelingt, daß sich die Energien von Uranus und Neptun - bildlich gesprochen - gegenseitig umarmen. Diese Situation kann aber auch - und das ist mundan gesehen viel wahrscheinlicher - zu ganz verrückten und chaotischen Handlungen führen. Ganz allgemein drohen beim neurotischen Zusammentreffen von Uranus und Neptun entweder eine verdeckte bzw. illusionäre (Neptun) Aggressivität (Uranus) oder ein erregtes bzw. trotziges (Uranus) Streben nach Suchterlebnissen (Neptun) in unterschiedlicher Gestalt. Genie und Wahnsinn (Uranus/Neptun) liegen hier dicht beieinander und das Leben steht wirklich auf des Messers Schneide.

Nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte liegt die Gefahr sehr nahe, daß Aggressivität (Wassermann) über Sensibilität (Fische) obsiegt und zwar in besonders ausschließlicher Form. Im Klartext heißt das: Es drohen Rücksichtslosigkeit, Ausbeutung, Betrug, Räuberei und nicht zuletzt - gerade im Zusammenhang mit der letzten Saturn-Pluto-Opposition - auch Krieg. Aus astrologischer Sicht ist Krieg zwar nicht unvermeidlich, aber er wird immer wahrscheinlicher, weil die Menschheit mit der äußerst schwierigen Energiesituation einer starken Uranus-Neptun-Verbindung vermutlich nicht konstruktiv umgehen kann. Dabei hat die allgegenwärtige Wettbewerbs-Ideologie durchaus den Charakter eines Wirtschafts-Krieges. Weil aber die verdrängte Fische-Energie noch aus dem Hintergrund wirkt, dürften die Wassermann-Aggressivitäten mit besonderer Raffinesse und Heuchelei ins Werk gesetzt werden und sich oft im Gewand der Hilfe (Fische) tarnen.

Der Konflikt zwischen den uranischen und den neptunischen Kräften findet auf dem Hintergrund statt, der durch die Stellung von Pluto im Schütze-Zeichen charakterisiert wird. Die beste und einfachste mundane Interpretation dieser Konstellation heißt Globalisierung, wobei unter Gobalisierung (unter dem Einfluß der Wassermann-Energie) vor allem die wirtschaftliche Globalisierung verstanden wird. Für deren weltweite und maßlose Expansion steht die Schütze-Energie. Sie wird durch Pluto befestigt und gleichzeitig zur Grundlage eines alles beherrschenden Wertesystems gemacht.

Da schon seit der Uranus/Neptun-Konjunktion im Steinbock (1993) das aggressive Uranus-Prinzip den Ton angibt, was u.a. dazu geführt hat, daß der Sozialismus (Fische-Prinzip) zusammengebrochen ist, haben wir es mit einer besonders rücksichtslosen (Wassermann) wirtschaftlichen Globalisierung, eben mit einer wilden Globalisierung, zu tun. Der Kapitalismus/Neoliberalismus (Wassermann), der im Kampf mit dem Sozialismus überlebt hat, hält sich zur Zeit für das einzig richtige Wirtschaftssystem und tobt sich auf der ganzen Welt mit einer Dynamik (Schütze) aus, die sich ein Karl Marx vor 150 Jahren nicht hätte träumen lassen. Deshalb ist die Bezeichnung Globalisierung im Grunde auch eine Verharmlosung. Richtiger wäre es, von Imperialismus zu sprechen, denn in diesem Begriff drückt sich genau jene ganze menschenschenverachtende Rücksichtslosigkeit eines aus allen Fugen geratenen Kapitalismus aus.

Es ist immer ein Kennzeichen ideologischen Denkens, wenn versucht wird, die selbständigen und voneinander unabhängigen Prinzipien Freiheit (Wassermann) und Solidarität (Fische), die beide das gesellschaftliche Leben bestimmen sollten und die zusammen genommen erst die Gerechtigkeit im politischen Handeln ausmachen, durch ein einziges Prinzip zu ersetzen. Im Sozialismus mißlang das Experiment, allein mit der Schaffung von sozialen Chancen (Fische-Energie) auch das Bedürfnis nach Freiheit (Wassermann-Energie) mitbefriedigen zu wollen. Im Neoliberalismus wird umgekehrt der Anspruch erhoben, durch den Abbau von sozialen Einrichtungen des Staates (durch Maßnahmen der Deregulierung und Privatisierung) die Leistungsfähigkeit des wirtschaftlichen Wettbewerbs (Wassermann-Energie in Verbindung mit Steinbock- und Widder-Energie) dergestalt zu erhöhen, daß sich am Ende staatliche Hilfsmaßnahmen für die Verlierer (Fische-Energie in Verbindung mit Steinbock- und Widder-Energie) als überflüssig erweisen. Auch dieses Experiment wird scheitern.

In diesem Zusammenhang muß die zur Zeit laufende Sparpolitik der westlichen Regierungen sehr kritisch gesehen werden. Die großen Konzerne führen heute einen unerklärten Wirtschaftskrieg um die internationalen Märkte und verlangen von ihren Regierungen, daß Ihnen zu Hause der Rücken frei gehalten wird. Die jeweiligen nationalen Standorte müssen billig sein, sonst drohen sie mit Abwanderung und steigender Arbeitslosigkeit. Folglich überbieten sich die Regierungen gegenseitig mit Steuersenkungen, Verschlechterung der Umweltstandards und Kürzung der sozialen Leistungen, was vor allem die Gewerkschaften auf die Barrikaden treibt. Diese kritisieren zu Recht, daß durch eine solche maßlose Begünstigung des unternehmerischen Freiheitsprinzips (Wassermann) am Ende das Solidaritätsprinzip - und damit auch der soziale Friede (Fische) innerhalb der Gesellschaft - auf der Strecke bleiben muß.

An der Spitze dieser Entwicklung stehen die USA, die traditionell einen Sozialstaat ablehnen und damit dem Wassermann-Prinzip besonders verpflichtet sind. Besonders große Schwierigkeiten mit der veränderten Situation haben keineswegs zufällig die Deutschen, weil in der Bundesrepublik nach dem verlorenen 2. Weltkrieg mit der sogenannten sozialen Marktwirtschaft mehr als in anderen Ländern ein Ausgleich zwischen Kapitalismus und Sozialismus gesucht worden ist. Die deutschen multinationalen Konzerne haben aber nach dem Zusammenbruch des Sozialismus in der DDR in besonders aggressiver Weise den amerikanischen Weg des Neoliberalismus eingeschlagen mit dem Erfolg, daß zwar Deutschland Exportweltmeister ist, dafür aber mit einer schwachen Binnenkonjunktur und einer Verarmung weiter Bevölkerungskreise und Schwächung des Staates bezahlen muß.

Der Irak-Krieg muß auf dem Hintergrund dieser wilden Globalisierung gesehen werden. Die USA haben hier mit militärischer Gewalt versucht, sich bei dem in Zukunft verstärkt drohenden Wettbewerb globaler Zentren (Nordamerika, Europäische Union, Ferner Osten) einen dauerhaften Standortvorteil zu verschaffen. Es ging hier keineswegs um eine terroristische Bedrohung durch den Irak (die bisher niemand nachweisen konnte) und auch nicht um die Einhaltung von UN-Resolutionen, sonst hätten die USA auch die Einhaltung der UN-Resolutionen von Israel verlangen müssen.

Es war der Gipfel der Heuchelei (Uranus/Fische), daß ausgerechnet die USA, die mit ihrem Veto-Recht den Sicherheitsrat ständig daran gehindert hatten, daß wirksame Maßnahmen gegen die Siedlungspolitik des Staates Israel im Westjordanland ergriffen werden konnten, sich im Brustton der Überzeugung vor die Welt stellten und behaupteten, daß nun die Irak-Frage offenbaren werde, ob die UN noch eine Rolle spielen kann oder nicht. Es war und ist ebenfalls eine große Heuchelei, wenn die USA mit allen Schurken dieser Welt immer solange gut zusammen arbeiten und diese aufrüsten, wenn es ihren eigenen Interessen dient, daß sie aber, wenn sich ihre Interessen geändert haben, genau dieselben Diktatoren zur "Achse des Bösen" erklären und mit Krieg bedrohen.

Nach Ansicht vieler Kritiker ging es bei diesem Krieg also nicht um die Verteidigung der Menschenrechte, die ein mörderisches Regime mit Füßen tritt, sondern allein um wirtschaftliche Interessen. Es ging um Öl und um eine Neuordnung der Welt, die es den USA ermöglichen, diese wichtige und gleichzeitig politisch so instabile Region des Nahen und Mittleren Ostens dauerhaft zu beherrschen. Nachdem der Iran seinerzeit durch die fundamentalistische Revolution der muslimischen Ayatollahs verloren gegangen war, sollte nun der Irak die neue Basis des US-Imperialismus werden.

Die Entwicklung der Welt im 20. und 21. Jahrhundert ist offensichtlich dadurch gekennzeichnet, daß ideologische Strukturen (ein Uranus/Neptun-Problem) langsam überwunden werden. Nachdem unter der Dominanz von Uranus zunächst der Sozialismus zusammengebrochen ist, kann jetzt unter dem langsam stärker werdenden Einfluß von Neptun (und von Saturn/Steinbock durch den Pluto-Transit) erwartet werden, daß auch der Kapitalismus, vor allem in seiner aktuellen Form als "Raubtier-Kapitalismus", in eine ernste Krise kommt und der Staat wieder eine stärkere wirtschaftliche Bedeutung gewinnt.

Der Sozialismus ist in seiner Schwäche gewissermaßen implodiert, der Kapitalismus könnte in seiner vermeintlichen Stärke in einem neuen großen Krieg gegen den Terrorismus explodieren und damit seinen ideologischen Untergang einleiten.

Vielleicht hat diese Entwicklung bereits mit dem Irak-Krieg begonnen, an dem sich die USA als westliche Vormacht des Kapitalismus überhoben haben. Die USA könnten sich durchaus zu Tode siegen. Eine solche Entwicklung droht vor allem dann, wenn der aktuelle Konflikt mit dem Iran wiederum aggressiv gelöst wird, was Kritiker der US-Politik befürchten. Wenn dann die ganze Golf-Region in Brand gesteckt wird, dürfte die westliche Wirtschaft mit ihrer Abhängigkeit vom Öl davon nicht unberührt bleiben.

Es geht aber nicht nur um die Lage im Nahen Osten. Astrologisch gesehen hat die verdeckte Uranus-Neptun-Konjunktion in den vergangenen Jahrzehnten unter einer neurotischen Uranus-Dominanz in Verbindung mit Pluto in Schütze (Globalisierung) die soziale Ungerechtigkeit überall auf der Welt politisch-wirtschaftlich vermehrt. Eine dramatische internationale Krise wäre dann zu befürchten, wenn die bestehenden Spannungen zusätzlich durch aggressive Transite angeheizt werden. Eine solche Situation wird sich in nicht allzu langer Zeit ereignen. Die entsprechende Zeitqualität ist gegeben, wenn Jupiter und Uranus (zwischen Fische- und Widderzeichen) zu Saturn und Mars (zwischen Jungfrau- und Waagezeichen) eine Opposition und mit Pluto (zwischen Schütze- und Steinbock-Zeichen) gemeinsam ein T-Quadrat bilden (Ende Juli 2010), womit der Kampf um eine gerechtere Welt angesprochen wird. Neptun hat sich dann dem kritischen Punkt von 0° Fische genähert und steht bezeichnenderweise in Konjunktion mit Chiron (Jungfrau).

Den astrologischen Sinn der gegenwärtigen Entwicklung sehe ich darin, daß weltweit langfristig ein neuer Ausgleich zwischen den Energien von Wassermann und Fische gefunden und politisch damit eine neue Form der sozialen Marktwirtschaft etabliert wird. Es kann aber durchaus sein, daß dieser Weg zu einer größeren internationalen Gerechtigkeit zunächst durch eine große kriegerische Katastrophe führt. 

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Rolf Freitag, Schule für Psychologische Astrologie in Heiligenhaus, im Juli 2008

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