Papst Benedikt XVI.
"Rottweiler Gottes" oder verständnisvoller Seelsorger?
16.4.1927 um 4h15 in Marktl
Als am 19. April 2005 nach relativ kurzem Konklave der deutsche Kardinal Joseph Ratzinger zum 265. Papst gewählt wurde, sagten nicht wenige Katholiken: "O Gott, bitte doch nicht der!" Ratzinger hatte sich in den 24 Jahren als Glaubenswächter den Ruf erworben, ein kompromißloser Kämpfer gegen jede Form der Erneuerung in der Kirche zu sein, ein Gegner des "Aggiornamento", wie es seinerzeit Papst Johannes XXIII. gefordert hatte, der mit diesem Ziel das 2. Vatikanische Konzil einberief. Ratzinger war damals Konzilsberater zusammen mit Theologen wie Karl Rahner und Hans Küng und galt als kirchenkritisch.
Aber in seiner langen Amtszeit seit 1981 als Präfekt der Glaubenskongregation an der Seite des polnischen Papstes Johannes Paul II. erweckte er eher den Eindruck eines fanatischen Traditionalisten und erwarb sich bei progressiven Katholiken den Beinamen "Rottweiler Gottes". Erwähnt sei hier nur die Verurteilung der Theologie der Befreiung in Südamerika und die Amtsenthebung des Theologen Hans Küng, für die beide Ratzinger die theologische Begründung lieferte. Nun, nach zwei Jahren im Amt als Papst, haben nicht wenige innerhalb der Kirche den Eindruck, daß sich Benedikt XVI. erneut gewandelt habe. Ist aus dem "Rottweiler Gottes" inzwischen ein verständisvoller Seelsorger geworden? Zu einem abschließenden Urteil ist es sicher zu früh, aber ein Blick in das Horoskop Joseph Ratzingers läßt die Zwiespältigkeit seines Charakters sehr gut erkennen:
Jupiter in den Fischen am AC
zeigt Benedikt XVI. als religiösen Kämpfer, der durch das Quadrat zu Ceres (Stier-Energie) auf 21° Schütze am MC eine unverbrüchliche Sicherheit in Glaubensdingen besitzt und für die Erhaltung der Glaubenssubstanz (so wie er sie versteht) eintritt. Das genaue Halbsextil zwischen Uranus und Chiron (Jungfrau-Energie) symbolisiert dazu den kritischen und originellen Denker, was sehr gut zu seiner lange ausgeübten Funktion als Professor der Theologie paßt, zumal Chiron Spitze 2 auch für Besitz (des Wissens) steht. Der aufsteigende Mondknoten am IC und Pluto im Krebs weisen ihn als einen Mann der Kirche aus und in Verbindung mit dem Halbsextil zwischen Mondknoten und Venus Spitze 3 auch als eine Persönlichkeit, der das schriftstellerische (und diplomatische) Wort zu Gebote steht.Bemerkenswert ist das
Große Trigon zwischen Sonne, Neptun und MC (Saturn-Prinzip), das man vielleicht als Willen (Sonne) zum Verzicht (MC Trigon Neptun) interpretieren könnte, womit sich religiös gesehen eine selbstverständliche (Großes Trigon) Gelassenheit ergibt, die gut zu der vertrauensvollen Haltung des Jupiter in den Fischen paßt. Der isolierte Saturn im Schützen und 9. Haus zeigt, daß der Papst kein wirklich ehrgeiziger Mensch ist, was Ratzinger in seiner Zeit als Kardinal auch immer wieder betont hat. Sein fanatischer Kampf gegen Veränderungen in der Kirche hat mit anderen Energien zu tun.Soweit gesehen haben wir hier ein Horoskop vor uns, wie man es für einen religiösen und gelehrten Menschen erwarten würde. Das Horoskop des Papstes zeigt aber darüber hinaus eine durchaus ungewöhnliche Spannung, die durch zwei T-Quadrate mit vollkommen gegensätzlichem Charakter symbolisiert wird. Diese T-Quadrate wird allerdings nur derjenige erkennen, der die Ephemeride von Koch/Rindgen für die sensitiven Punkte Lilith und Priapus benutzt, die seit ein paar Jahren auf dem Markt ist. Nach meinen Erfahrungen sind beide Punkte für die Interpretation von großer Aussagekraft, was sich gerade am Horoskop des amtierenden Papstes zeigen läßt.
Lilith (das Mondapogäum, also der erdfernste Punkt der Mondumlaufbahn) symbolisiert im Horoskop das extrem uranische Prinzip (Distanz), das zusätzlich gefühlsmäßig (Mond) gefärbt ist. Es könnte als "starker eigenwilliger Drang" oder einfacher als "Leidenschaftlichkeit" übersetzt werden. Priapus (das Mondperigäum, also der erdnächste Punkt der Mondumlaufbahn) ist dagegen das extrem neptunische Prinzip (Nähe), also eine Mischung aus Mond, Neptun und Pluto, und könnte als "ungewöhnliche Sensibilität" oder auch "starke Hilfsbereitschaft" beschrieben werden. Mit Lilith und Priapus wiederholt sich also auf der Mondebene die Grundspannung eines jeden Horoskops, die immer zwischen Uranus und Neptun liegt und die deshalb auch von diesen Polen ausgehend interpretiert werden muß.
Die genaue Position der Lilith
im Horoskop des Papstes nach der Ephemeride von Koch/Rindgen ist 0°56 in Waage. Damit haben wir eine exakte Opposition zum Merkur (der seinerseits in Konjunktion mit Uranus steht und damit auch eine Verbindung zu Chiron bekommt) und ein genaues Quadrat zum Mars am aufsteigenden Mondknoten. Diese Konstellation kann man gar nicht anders übersetzen als leidenschaftlichen (Lilith) kommunikativen (Merkur) Kampf (Mars) innerhalb der Kirche (Mondknoten) für die eigenen Überzeugungen (Uranus Halbsextil Chiron). Es ist durchaus verständlich, daß der Präfekt der Glaubenskongregation mit diesen Energien zu einer Art "Rottweiler Gottes" wurde.Die genaue Position von Priapus ist 14°44 im Widder. Es ist typisch, daß die beiden Punkte nicht direkt einander gegenüber liegen, weil die Ellipse des Mondes durch den Einfluß der Sonne chaotisch gestört wird. Durch Priapus wird ein zweites T-Quadrat konstituiert, das nicht weniger extrem in seiner Wirkung eingeschätzt werden muß.
Priapus steht genau dem Mond in der Waage gegenüber und bildet mit ihm zusammen ein exaktes Quadrat zu Pluto im Krebs Spitze 5. Und hier sehen wir den rücksichtsvollen (Priapus im Widder) und fürsorglichen (Mond) Seelsorger (Pluto Quadrat Priapus), der den Menschen nahe sein will.Von diesen zwei Seelen in der Brust des Kardinal Ratzinger hat sich offensichtlich zunächst die Lilith-Seele durchgesetzt. Menschen, die nichts von Astrologie wissen, würden sagen, daß das mit dem Amt zusammenhängt, das Ratzinger solange inne hatte. Da Ratzinger für die Reinerhaltung des Glaubens und der Tradition zuständig war, mußte er ja gegen alle Neuerer energisch durchgreifen, die seiner Ansicht nach den Glauben aufweichten oder verfälschten. Er konnte gar nicht anders. Jetzt, da er Papst geworden ist, kann er sich seiner anderen Rolle als Seelsorger zuwenden.
Astrologen würden aber einwenden, daß es so einfach nicht geht. Bei Verhaltensänderungen kann es niemals allein an äußeren Herausforderungen liegen, es muß auch eine Änderung der Energie-Situation im Menschen gegeben sein, sonst könnte der betreffende Mensch sich gar nicht in veränderter Weise auf die neue Situation einlassen. Genau eine solche veränderte Energiesituation zeigt das Horoskop von Kardinal Ratzinger in der Progression.
Wenn man sich die
Progressionsstellungen ansieht, dann fällt sofort auf, daß sich die Lilith von der Geburtsstellung in Richtung Mond weiterbewegt hat. Am Tag der Papstwahl stand sie bereits auf 12°42 in Waage, also in unmittelbarer Nähe des Geburtsmondes. Sie hatte gewissermaßen das aggressive Lilith-T-Quadrat verlassen und verstärkte deutlich das sensitive Priapus-T-Quadrat, so daß ein Wechsel der Rollen vorstellbar wird und für die Zukunft vielleicht noch eine weitere Verstärkung erwartet werden kann. Hinzu kommt, daß auch der progressive Priapus mit 18°40r im Widder immer noch ein Halbsextil zum Fische-AC bildete und in den vergangenen Jahren offensichtlich sowohl die Radix-Sonne (durch Transit-Konjunktion) als auch den Radix-AC mit seinem extremen Fische-Charakter beinflußt hatte.Psychologisch interpretiert könnte man vielleicht sagen, daß Kardinal Ratzinger seine sensitive (Priapus) Seite zunächst als geheime Angst erlebt hat, nämlich daß die Glaubenssubstanz der Kirche (Jupiter in den Fischen im Quadrat zu Ceres) in der modernen Zeit verloren gehen könne. Diese Angst kann bei Ihm durchaus panische Züge angenommen haben, wodurch die aggressive (Lilith) Seite seiner Persönlichkeit zusätzliche Energien als Verstärkung aufgenommen hat. (Eine solche Steigerung der aggressiven Energien durch eine hintergründige Angst beschreibt z.B. der Psychologe Fritz Riemann in seinem Buch "Grundformen der Angst".) Erst als die Lilith in der Progression sich mit dem sensibel gestellten Mond zu verbinden begann, fand Kardinal Ratzinger nun als Papst Benedikt XVI. den Mut, sich von dieser Angst ein Stück zu befreien.
Hinzu genommen werden müssen natürlich noch die anderen progressiven Konstellationen, die in dieselbe Richtung weisen: Die progressive Sonne befand sich am Tag der Papstwahl genau am progressiven AC im Krebs und die progressive Venus bildete zusammen mit dem progressiven Mond eine Konkunktion mit dem Radix-Neptun, die damit beide in das Große Radix-Trigon von Sonne, Neptun und MC eingerückt sind.
Inzwischen hatte auch
der rückläufige progressive Saturn eine Stellung erreicht, die ihn mit dem Radix-Uranus im Trigon und mit der Radix-Lilith im Sextil verband. Hier finden wir also den Ehrgeiz (Saturn Prinzip in Verbindung mit dem Uranus-Prinzip) symbolisch aufgezeichnet, aber doch in so relativ schwacher Form, daß es glaubhaft klingt, wenn Kardinal Ratzinger sagt, daß er zu dem Amt gedrängt werden mußte. Da sich aber inzwischen auch der progressive Jupiter in Konjunktion mit dem Radix-Uranus befand und der progressive Mars auf 16° Löwe im 6. Radix-Haus stand, ist eigentlich zu erwarten, daß der neue Papst in seinem Amt durchaus Schwung (Jupiter) und Tatkraft (Löwe-Mars in 6) zeigen wird und vielleicht diejenigen Lügen straft, die meinen, daß er nur für einen kurzen Übergang gewählt worden ist. Zu wünschen wäre zu seinem 80. Geburtstag, daß das seelsorgerliche Element weiter an Kraft zunimmt, so daß der "Rottweiler Gottes" mehr und mehr in Vergessenheit gerät.Rolf Freitag, Schule für Psychologische Astrologie in Heiligenhaus, 2007
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Nachtrag März 2009
In der Transitlage erscheint mir interessant, daß sich der aktuelle Pluto Anfang 2009 im Horoskop des Papstes am absteigenden Radix-Mondknoten am Radix-MC gegenüber dem Radix-Mars befand und damit das aggressive Lilith-T-Quadrat im Radix zum Großen Quadrat vervollständigte. Gleichzeitig rückte Mitte Februar 2009 die Transit-Lilith in diese Oppositionstellung ein.
Zur gleichen Zeit gab der Papst bekannt, daß er die von seinem Vorgänger verfügte Exkommunikation von vier Bischöfen der extrem konservativen Pius-Bruderschaft aufheben wolle. Diese Nachricht löste einen weltweiten Protest unter progressiven Katholiken aus. Es meldeten sich aber auch Politiker und der Zentralrat der Juden zu Wort, weil einer der Bischöfe, Richard Williamson, erst vor kurzem den Holocaust geleugnet hatte.
Diese Entscheidung des Papstes ist für Astrologen nicht ganz einfach zu beurteilen: Es kann sein, daß die Konstellation von Transit-Pluto und Transit-Lilith in Opposition zum Radix-Mars mit dem beschriebenen Radix-T-Quadrat anzeigt, daß ein starker Rückfall in die Zeit der autoritären Bevormundung der Gläubigen droht, die ja noch längst nicht überwunden ist, und daß dieser Rückfall mit der Aufhebung der Exkommunikation der vier traditionalistischen Bischöfe gerade stattgefunden hat.
Es kann auch sein, daß der Papst in einem etwas naiven (Jupiter am AC) seelsorglichen Bemühen (T-Quadrat Mond-Priapus-Pluto) um die Einheit der Kirche (Quadrat Ceres) ein Schisma überwinden wollte und dabei von seinen Mitarbeitern nicht richtig informiert wurde. In diesem Fall erlebt er jetzt die Energien von Transit-Pluto und Transit-Lilith von außen als wütenden Protest gegen seine Autorität (MC).
Vielleicht symbolisieren diese Transite aber auch eine radikale Krise, in die der Papst zur Zeit geführt wird, um ihm die Verirrungen und Übertreibungen seiner Entscheidungen als Präfekt der Glaubenskongregation an der Seite seines Vorgängers Johannes Paul II. besonders bewußt zu machen, damit er dann die Kraft findet, sich konsequenter als bisher zu seiner neuen Rolle als einfühlsamer Seelsorger zu bekennen. Für die katholische Kirche wäre eine solche Wirkung der Transite ein Segen.