Die Was-Wie-Wo-Regel

Ein Irrtum der Astrologie

Die Astrologie-Schüler lernen, dass ein Horoskop wie ein Theaterstück gedeutet werden soll: Danach ist der jeweilige Planet der Schauspieler mit seiner charakteristischen Eigenart. Dem Zeichen, in dem der Planet steht, entspricht die Rolle, die der Schauspieler übernommen hat. Und das zugehörige Haus ist die Bühne, wo das Stück aufgeführt wird. Das klingt sehr hilfreich, führt den Astrologen aber letztlich doch in die Irre. Hier wird nämlich behauptet, dass eine Grundenergie aufgespalten werden kann in ein "Was" (Inhalt), in ein "Wie" (Methode) und in ein "Wo" bzw. "Wofür" (Manifestation, Verwirklichung).

Meiner Meinung nach ist das ein völlig willkürliches Verfahren, das nicht zu rechtfertigen ist, weil es dem Leben nicht entspricht. Ich habe noch bei keinem Astrologen erlebt, daß er diese Spaltung konsequent durchgehalten hat.

Die Astrologie unterscheidet 12 Grundenergien und jede dieser Energien hat natürlich einen bestimmten Inhalt (ein "Was"), der umgesetzt werden soll. Jede Energie ist aber gleichzeitig mit bestimmten Methoden (ein "Wie") ausgestattet, damit sie ihr Ziel überhaupt erreichen kann. Anders kann sie gar nicht funktionieren. (Beispiel: Die Waage-Energie will Gemeinsamkeit erreichen und Menschen miteinander verbinden. Sie hat dafür körperliche Attraktivität und ein freundliches, ausgeglichenes Wesen mitbekommen sowie die Fähigkeit, sich beliebt zu machen, zu gefallen, angenehm aufzutreten und verbindlich zu kommunizieren.) Für jede Energie muß es schließlich eine Reihe von Verwirklichungen (ein "Wo") in unserer Welt geben (also für die Waage-Energie beispielsweise Schönheit, Mode, Tanz, Geselligkeit, Diplomatie usw.). Das ist eine Selbstverständlichkeit. In der Konsequenz bedeutet das aber: Die für die Waage-Energie genannten Manifestationen finden sich nicht nur im 7. Haus, sondern ebenfalls im Waage-Zeichen und natürlich auch beim Planeten Venus selbst.

(vgl. die Übersicht Kurzes Tierkreiszeichen-Info (2))

Ich lehne also eine Aufspaltung der Grundenergien nach der Was-Wie-Wo-Regel ab. Planeten, Zeichen und Häuser sind für mich lediglich verschiedene Aufzeichnungssysteme ein- und derselben Energie. Allerdings geben diese Aufzeichnungssysteme zusätzliche Informationen für die Interpretation eines Horoskops. Diese liegen aber nicht auf der Ebene des "Was", "Wie" oder "Wo".

Planeten

Sie enthalten die jeweilige Energie konzentriert in reiner Form und ermöglichen dadurch bei Aspektverbindungen den stärksten Energiefluß.

Sie geben je nach ihrer astronomischen Anordnung im Sonnensystem einen Hinweis auf die psychische Position der betreffenden Energie innerhalb der Persönlichkeit. Die persönlichen Energien liegen an der Oberfläche der Persönlichkeit, die gesellschaftlichen Energien im mittleren Bereich, die transsaturnalen Energien im Lebensgrund. Je weiter entfernt von der Sonne sich ein Planet befindet (je langsamer er sich auf seiner Bahn bewegt), desto tiefer ist die entsprechende psychische Energie in der Persönlichkeitsstruktur verankert. (Beispiel: Pluto als erdfernster und langsamster Planet bildet den tiefsten Grund der Persönlichkeit, der Mond dagegen als erdnächster und schnellster die deutlich spürbare Oberfläche.) Die tiefer liegende psychische Energie gibt dabei den Rahmen vor, in dem sich die sonnennäheren Energien bewegen dürfen. Neptun kommt also vor Uranus und Saturn vor Jupiter.

Zeichen

Sie beschreiben als Tierkreis die geordnete Reihenfolge der 12 Grundenergien: auf Widder folgt notwendigerweise die Stier-Energie oder auf Schütze die Steinbock-Energie.

Sie geben weiter an, wie sich eine Energie in ihrer Qualität entwickelt. Die jeweilige Qualität steht völlig rein (aber nicht stärker) in der Zeichenmitte und geht von dort langsam in die Energie des benachbarten Zeichens über. Auf den Positionen 0° im Tierkreis sind die benachbarten Energien jeweils zu 50% beteiligt.

Die Zeichen bieten ferner als Meßkreis die mathematische Voraussetzung dafür, um die Planetenpositionen genau bestimmen zu können, so daß man die Aspekte einzeichnen kann.

Häuser

Sie erstrecken sich immer über mehrere Zeichen und geben damit eine Entwicklung an: mit dem Zeichen an der Häuserspitze geht der Horoskopeigner auf die betreffende Hausenergie zu, mit den folgenden Zeichen wird die Energie fortgesetzt. Es kann auch sein, daß die Energie an der Häuserspitze in Normalsituationen verwendet wird, während die folgenden Energien nur unter Belastung (Stress) eingesetzt werden.

Nicht richtig scheint mir dagegen die Redeweise zu sein, wenn vom Zeichen an der Häuserspitze als dem "Herrscher" des betreffenden Hauses gesprochen wird. Der Herrscher wird allein nach dem Astrologischen Alphabet bestimmt. Das Zeichen an der Häuserspitze und die Stellung des dazugehörigen Zeichenherrschers im Horoskop spielen allerdings eine wichtige Rolle bei der Deutung.

Auch die Häuser können zu einem Meßkreis gemacht werden, in dem die Planeten ihre Position finden. Es lassen sich dann die Aspekte des sogenannten Häuserhoroskops einzeichnen.

Beispiel:

Die Konstellation Chiron (Jungfrau) mitten im Steinbock entspricht meiner Meinung nach folgenden anderen Konstellationen:

  • Saturn mitten in der Jungfrau
  • Chiron Spitze 10. Haus
  • Saturn Spitze 6. Haus
  • genauer Aspekt zwischen Chiron und Saturn

(hier müssen allerdings noch die Art des Aspektes sowie die beteiligten Zeichen und Häuser zusätzlich interpretiert werden.)

In allen Fällen handelt es sich um dieselbe Verbindung zwischen der Jungfrau- und der Steinbock-Energie.

Rolf Freitag, Schule für Psychologische Astrologie in Heiligenhaus, 2011

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