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Die aktuelle Transitlage

1. Die Uranus/Neptun-Konjunktion

Diese Konjunktion hat zum dritten Mal am 25. Oktober 1993 um 7.00 GMT auf 18°33' Steinbock stattgefunden. Sie folgt einem Rhythmus von 171 Jahren und wandert gleichmäßig durch den Tierkreis. Die letzte Uranus/Neptun-Konjuktion davor ereignete sich am 3.12.1821 um 16.02 GMT auf 1°59' Steinbock.

Die Uranus/Neptun-Konjunktion symbolisiert grundlegend die Thematik des gesunden Lebens, sei es im privaten Leben oder in der Gesellschaft. Es geht um den Ausgleich (Konjunktion) zwischen den weichen, weiblichen Energien (Neptun) mit den harten, männlichen (Uranus). Neptun und Uranus verbinden sich aber mit den anderen Energien des Tierkreises und konstituieren so ganz unterschiedliche Themen, die dann die private und gesellschaftliche Auseinandersetzung bestimmen.  

Brachte die erste Konjunktion von Uranus und Neptun im Steinbock von 1821 mit der Spannungsfigur Uranus/Neptun-Chiron-Mars die staatliche Etablierung (Uranus/Saturn) der kämpferischen Ideologien (Chiron/Neptun/Mars) des Liberalismus und Sozialismus (in Gestalt der von den USA und der Sowjetunion beherrschten bipolaren Welt), so dürfte es bei der zweiten Konjunktion um deren Auflösung gehen (Uranus/Neptun mit Halbquadrat auf Mond und Mondknotenachse). Um die notwendigen staatlichen Veränderungen (Saturn im Wassermann) wird allerdings ein nachhaltiger und verbissener Kampf geführt werden (Saturn mit Quadrat auf Mars im Skorpion), bei dem Kommunikationsprozesse eine herausragende Bedeutung bekommen (Merkur neben Pluto im Skorpion).

Das entscheidende Thema, um das sich alles dreht (Sonne), dürfte die Sicherheit sein (Sonne Konjunktion Jupiter in Opposition zu Ceres (Stier-Energie) an der Schnittstelle zwischen Widder und Stier). Wahrscheinlich ist es nicht übertrieben, wenn man daran denkt, daß es um die Frage des Überlebens der Erde geht. Dabei ist eine sanfte Politik gefragt (Uranus/Neptun mit Quadrat auf Priapus in der Waage), die allerdings mit einer ungeheuren Leidenschaftlichkeit durchgesetzt werden muß (Lilith im Widder mit Halbsextil zum Mond und Trigon zur Mondknotenachse).

Die Halbsumme von Saturn und Mond fällt auf den kritischen Punkt zwischen Wassermann und Fische. Hier liegt also (in verdeckter Form) noch eine weitere Uranus/Neptun-Konjunktion vor, die darauf verweist, daß sich das Verhältnis zwischen Volk (Mond) und Staat (Saturn) grundlegend ändern muß. Das Volk soll sich aus manipulativen Strukturen befreien (Merkur neben Mars und Pluto im Skorpion mit Quadrat auf Saturn in Wassermann) und sich um eine kritische Vernunft bemühen (Leistungsdreieck von Mond, Mondknotenachse und Chiron mit Quincunx von Lilith im Widder auf Chiron in der Jungfrau). Die Aufgabe des Staates ist es dann - wie die Spannungsfigur Saturn-Pluto-Venus zeigt - die politische (Venus) Förderung der Vernunft (Chiron) als eine todernste Notwendigkeit (Saturn/Pluto) zu begreifen.

2. Die Saturn-Pluto-Opposition

Die 3. Saturn-Pluto-Opposition fand am 26. Mai 2002 um 2.28 GMT in Konjunktion mit der Mondknotenachse statt. Sie ist in ihrer Wirkung noch deutlich zu spüren und markiert den nun langsam stattfindenden Übergang von Pluto in Schütze zu Pluto in Steinbock.

Mit der Saturn-Pluto-Opposition wird die dynamische und weltweite (Schütze) Kommunikationsgesellschaft (Sonne Konjunktion Merkur/Mondknoten in Zwillinge/Merkur mit Halbsextil zur Venus/Jupiter im Krebs-Zeichen) unbarmherzig (Saturn-Pluto) ausgebremst. Mit der Opposition zwischen Venus und Chiron im Steinbock ist gleichzeitig eine Politik (Venus) gefragt, die sich der Vernunft (Chiron) und dem rechten Maß (Steinbock) verpflichtet weiß.

Die übrigen Konstellationen dieses Ereignis-Horoskops sind jedoch von derart ungewöhnlicher Aggressivität (Mars Quadrat Lilith und Trigon zu Uranus/Mond Quadrat Uranus und Trigon zur Lilith), daß beim Übergang zu einer Politik mit menschlichem Maß (Venus Opposition Chiron im Steinbock) mit dem Schlimmsten gerechnet werden muß. Die alten expansiven Wachstumskräfte (Jupiter im Krebs mit Anderthalbquadrat zu Uranus und Mond) werden sich dem Diktat von Saturn-Pluto zu entziehen versuchen (Jupiter mit Halbsextil und Quincunx zur Oppositionsachse von Saturn-Pluto) und vielleicht sogar zum Krieg greifen (Mars Quadrat Lilith), um an ihrer Ideologie nichts ändern zu müssen.

3. Die letzte Jupiter-Neptun-Chiron-Konjunktion

Diese Konjunktion ereignete sich am 21. Dezember 2009 um 9.35 GMT. Wie auch bei den beiden vorausgegangenen Konjunktionen befanden sich Jupiter und Neptun im Wassermann in unmittelbarer Nähe zu Chiron. Mundan dürfte die Verbindung von Jupiter und Neptun wenig mit zwischenmenschlichem Vertrauen zu tun haben, sondern vielmehr mit illusionärem (Fische) Unternehmertum (Jupiter), das sehr erregt (Wassermann) und kämpferisch (Opposition Mars) seinen Platz behauptet. Auf dem Hintergrund der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise könnte man auch deutlicher feststellen: Hier lebt noch immer ein ungebrochener Optimismus, der zur Bildung von neuen Spekulationsblasen führen muß.

Chiron im Wassermann mit Halbsextil auf Uranus wirkt dabei nicht bremsend als kritische Vernunft, sondern eher als ideologische Rechtfertigung der aktuellen Wirtschafts- und Finanzpolitik, die sich in der Formel TINA ausdrückt: Es gibt keine Alternative. Die Stellung der Sonne mit Halbsextil zu Ceres und mit Halbquadrat zur Lilith macht deutlich, daß es um Besitz geht, genauer um die Neuaufteilung der Welt, um die mit ungeheurer Härte gekämpft wird (Spannungsfigur Mars-Saturn-Pluto).

Priapus am absteigenden Mondknoten im Krebs zeigt die Verunsicherung des Volkes, wobei die Opposition zwischen Priapus und Merkur im Steinbock die Beschwichtigungsformeln der Regierung andeutet. Das Quadrat zwischen Venus im Schützen und Uranus in den Fischen könnte undurchsichtige (Fische) diplomatische Bestrebungen (Venus Quadrat Uranus) symbolisieren, die das expansive (Schütze) Engagement der Wirtschaft (Ceres zwischen Skorpion und Schütze) absichern sollen. Allerdings lassen sich durch diese Energien solche Machenschaften (z.B. Korruption von Politikern) nicht immer geheim halten. Sie werden sehr wahrscheinlich als Skandale in der Öffentlichkeit bekannt werden.

4. Die aktuelle Saturn-Uranus-Opposition

Diese Opposition fand am 26. Juli 2010 um 16.55 GMT statt. In dem Anderthalbquadrat von Jupiter zu Priapus im Löwen finden wir noch einmal die alte illusionäre Expansion (Wachstum und Spekulation) der letzten Jupiter-Neptun-Konjunktion, wobei diese Konstellation auch für Größenwahn stehen kann. Die "Märkte" werden sich mit ihrer Dynamik nicht freiwillig ausbremsen (Saturn Opposition Uranus) lassen, sondern sich mit aller Gewalt (Kardinale Klimax) zu behaupten versuchen. Dafür spricht auch das Anderthalbquadrat zwischen Sonne und Ceres im Schützen.

Es dürfte deshalb in Zukunft zu erbitterten Verteilungskämpfen kommen. Dem rücksichtslosen Erfolgsstreben der Banken, Kapitalfonds und Unternehmer (Jupiter Konjunktion Uranus in Widder) werden sich gesellschaftliche Kräfte mit ähnlicher Härte entgegenstellen. Das Halbsextil zwischen aufsteigendem Mondknoten im Steinbock und Mond im Wassermann symbolisiert dabei die Rebellion des Volkes (Mond, Mondknoten), wobei die Stellung von Saturn zwischen Jungfrau und Waage in Verbindung mit Venus in Jungfrau und Chiron Konjunktion Neptun das große Thema bezeichnet, um das es gehen wird, nämlich die soziale Gerechtigkeit. Gerechtigkeit setzt immer ein idealistisches (Neptun) Nachdenken (Chiron, Jungfrau) über das gesellschaftliche Zusammenleben (Venus, Waage) voraus. Daß dabei das Volk unter Umständen ständig belogen wird, könnte die Spannungsfigur Merkur Anderthalbquadrat Mondknoten mit Opposition zu Chiron/Neptun an der Grenze von Wassermann/Fische andeuten.

Die isolierte Lilith ohne Aspekte in den Fischen symbolisiert vielleicht eine Leidenschaft, die zur Zeit noch orientierungslos (Fische) ist. Es könnte aber sein, daß die Wut des Volkes (Mond im Wassermann in Verbindung mit Uranus Opposition Mars) in Form von Revolten zum Ausdruck gebracht wird, wenn Lilith Anfang 2011 das Widder-Zeichen erreicht hat.

5. Das abnehmende Saturn-Pluto-Quadrat

Dieses Quadrat hat sich am 21. August 2010 um 9h45 GMT ereignet. Es setzt die Themen der Saturn-Pluto-Opposition vom 26. Mai 2002 fort.

Das freie Unternehmertum (Jupiter Konjunktion Uranus) wird durch die Opposition zu Saturn und das Quadrat zu Pluto einer extremen Prüfung unterzogen. Der in die Aspektfigur trigonal eingebundene Priapus (Mond, Neptun, Pluto) in Opposition zu Chiron/Neptun und mit Konjunktion zur Sonne verweist auf weiche Technologien, für die Kreativität gebraucht wird. Das Halbsextil zwischen Saturn und Priapus fordert Verzicht ein. Und der Neptun an der Grenze zwischen Wassermann und Fische symbolisiert grundlegend eine Umorientierung (Wassermann/Fische) in Richtung Mitmenschlichkeit und Solidarität (Fische). Mit dieser Stellung könnte auch die Religion wieder eine stärkere Rolle in der Gesellschaft bekommen.

Lilith in den Fischen mit genauem Anderthalbquadrat auf den Aszendenten in Waage verlangt eine friedfertige Politik. Da aber der Mond im Steinbock ein Halbquadrat zur Lilith bildet, drohen hier leidenschaftliche und irrationale Revolten des Volkes, vor allem bei erwiesener Veranwortungslosigkeit (z.B. Korruption) der Machthaber.

Die Aspektfigur Venus/Mars in Waage mit Anderthalbquadrat zu Chiron/Neptun und Opposition zu Sonne/Priapus beschreibt wiederum völlig eindeutig die Richtung für die Regierenden (Sonne): Sie sollen sich für die soziale Gerechtigkeit (Venus, Chiron, Neptun) in ihrer Politik (Waage) einsetzen (Mars).

6. Das zunehmende Uranus-Pluto-Quadrat bzw. Die Kardinale Klimax

Von 2012 bis 2015 ereignet sich sieben Mal das Quadrat zwischen Uranus in Widder und Pluto in Steinbock. Es handelt sich um das erste zunehmende Quadrat der Uranus-Pluto-Konjunktion vom 30. Juni 1966, das die entsprechenden Themen weiterentwickelt. Da es sich in kardinalen Zeichen manifestiert, wird es auch als Kardinale Klimax bezeichnet.

Die Verbindung von Uranus und Pluto bedeutet einerseits Zwangshaftigkeit (Fanatismus), wenn die Energie des Uranus die plutonische Energie (Befestigung) erregt und gewissermaßen unter Strom setzt. Andererseits kann aber auch Pluto den Uranus befestigen. In diesem Fall wird Freiheit zum grundlegend bestimmenden Wert des Lebens.

Da durch die Zeichenstellung auch Widder (Mars) und Steinbock (Saturn) in die Uranus-Pluto-Quadratur eingebunden sind, haben wir es hier mit der klassischen Stellung für Aggressivität zu tun. Wir werden es also in dieser Zeit mit fanatischen Auseinandersetzungen auf der ganzen Welt zu tun bekommen, die auch Kriege möglich machen, wobei das Thema Freiheit in unterschiedlichster Gestalt, sei es als wirtschaftliche, politische, religiöse oder auch nur private Freiheit, die entscheidende Rolle spielt. 

Aufgrund der Stellung der Uranus-Pluto-Konjunktion von 1966 in Jungfrau, die für den gesamten Zyklus die Richtung bestimmt, dürfte es sich bei diesen Auseinandersetzungen um ein Jungfrau-Thema, also um gegensätzliche Überzeugungen (Uranus in Jungfrau Konjunktion Pluto) handeln, die den Streit verursachen. Bei der offensichtlich sehr ungerechten Verteilung von Reichtum und Einfluß in der heutigen Welt ist zu erwarten, daß die Systemfrage immer wieder aufgeworfen wird. In der westlichen Welt wird der Kapitalismus und dort vor allem das Finanzsystem radikal hinterfragt. Hier geht es um das Problem der sozialen Gerechtigkeit. In den arabischen Ländern stellt der politische Islam den Aspruch, das gesellschaftliche Leben nach islamischem Recht neu zu ordnen. Seine Gegner fordern dagegen mehr Toleranz und Demokratie ein. In der Familienpolitik tobt der Streit darüber, ob Homosexualität einer heterosexuellen Beziehung völlig gleichgestellt werden kann. Die erbitterten Kämpfe um eine Neuordnung unserer Welt erstrecken sich auf viele Felder und sie werden sich vermutlich weit über das Jahr 2015 hinziehen.   

Rolf Freitag, Schule für Psychologische Astrologie in Heiligenhaus, 2013

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